Dantons Tod (1 of 28)
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Georg Buechner
Dantons Tod
Ein Drama
Personen:
Deputierte des Nationalkonvents:
Georg Danton
Legendre
Camille Desmoulins
Herault-Sechelles
Lacroix
Philippeau
Fabre d'Eglantine
Mercier
Thomas Payne
Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses:
Robespierre
St. Just
Barere
Collot d'Herbois
Billaud-Varennes
Chaumette, Prokurator des Gemeinderats
Dillon, ein General
Fouquier-Tinville, oeffentlicher Anklaeger
Amar und Vouland, Mitglieder des Sicherheitsausschusses
Herman und Dumas, Praesidenten des Revolutionstribunales
Paris, ein Freund Dantons
Simon, Souffleur
Weib Simons
Laflotte
Julie, Dantons Gattin
Lucile, Gattin des Camille Desmoulins
Rosalie, Adelaide und Marion, Grisetten
Damen am Spieltisch, Herren und Damen sowie junger Herr und Eugenie auf einer Promenade, Buerger, Buergersoldaten, Lyoner und andere Deputierte, Jakobiner, Praesidenten des Jakobinerklubs und des Nationalkonvents, Schliesser, Henker und Fuhrleute, Maenner und Weiber aus dem Volk, Grisetten, Baenkelsaenger, Bettler usw.
Erster Akt
Erste Szene
Herault-Sechelles, einige Damen am Spieltisch. Danton, Julie etwas weiter weg, Danton auf einem Schemel zu den Fuessen von Julie.
Danton. Sieh die huebsche Dame, wie artig sie die Karten dreht! Ja wahrhaftig, sie versteht's; man sagt, sie halte ihrem Manne immer das coeur und anderen Leuten das carreau hin. - Ihr koenntet einen noch in die Luege verliebt machen.
Julie. Glaubst du an mich?
Danton. Was weiss ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhaeuter, wir strecken die Haende nacheinander aus, aber es ist vergebliche Muehe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab - wir sind sehr einsam.
Julie. Du kennst mich, Danton.
Danton. Ja, was man so kennen heisst. Du hast dunkle Augen und lockiges Haar und einen feinen Teint und sagst immer zu mir: lieber Georg! Aber (er deutet ihr auf Stirn und Augen) da, da, was liegt hinter dem? Geh, wir haben grobe Sinne. Einander kennen? Wir muessten uns die Schaedeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren. -
Eine Dame (zu Herault). Was haben Sie nur mit Ihren Fingern vor?
Herault. Nichts!
Dame. Schlagen Sie den Daumen nicht so ein, es ist nicht zum Ansehn!
Herault. Sehn Sie nur, das Ding hat eine ganz eigne Physiognomie. -
Danton. Nein, Julie, ich liebe dich wie das Grab.
Julie (sich abwendend). Oh!
Danton. Nein, hoere! Die Leute sagen, im Grab sei Ruhe, und Grab und Ruhe seien eins. Wenn das ist, lieg ich in deinem Schoss schon unter der Erde. Du suesses Grab, deine Lippen sind Totenglocken, deine Stimme ist mein Grabgelaeute, deine Brust mein Grabhuegel und dein Herz mein Sarg. -
Dame. Verloren!
Herault. Das war ein verliebtes Abenteuer, es kostet Geld wie alle andern.
Dame. Dann haben Sie Ihre Liebeserklaerungen, wie ein Taubstummer, mit den Fingern gemacht.
Herault. Ei, warum nicht? Man will sogar behaupten, gerade die wuerden am leichtesten verstanden. - Ich zettelte eine Liebschaft mit einer Kartenkoenigin an; meine Finger waren in Spinnen verwandelte Prinzen, Sie, Madame, waren die Fee; aber es ging schlecht, die Dame lag immer in den Wochen, jeden Augenblick bekam sie einen Buben. Ich wuerde meine Tochter dergleichen nicht spielen lassen, die Herren und Damen fallen so unanstaendig uebereinander und die Buben kommen gleich hintennach.
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