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Dantons Tod (3 of 28)

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Erster Akt Zweite Szene

Eine Gasse

Simon. Sein Weib.

Simon (schlaegt das Weib). Du Kuppelpelz, du runzlige Sublimatpille, du wurmstichiger Suendenapfel!

Weib. He, Huelfe! Huelfe!

(Es kommen Leute gelaufen.)

Leute. Reisst sie auseinander, reisst sie auseinander!

Simon. Nein, lasst mich, Roemer! Zerschellen will ich dies Geripp! Du Vestalin!

Weib. Ich eine Vestalin? Das will ich sehen, ich.

Simon.
So reiss ich von den Schultern dein Gewand.
Nackt in die Sonne schleudr' ich dann dein Aas.

Du Hurenbett, in jeder Runzel deines Leibes nistet Unzucht. (Sie werden getrennt.)

Erster Buerger. Was gibt's?

Simon. Wo ist die Jungfrau? Sprich! Nein, so kann ich nicht sagen. Das Maedchen! Nein, auch das nicht. Die Frau, das Weib! Auch das, auch das nicht! Nur noch ein Name; oh, der erstickt mich! Ich habe keinen Atem dafuer.

Zweiter Buerger. Das ist gut, sonst wuerde der Name nach Schnaps riechen.

Simon. Alter Virginius, verhuelle dein kahl Haupt - der Rabe Schande sitzt darauf und hackt nach deinen Augen. Gebt mir ein Messer, Roemer! (Er sinkt um.)

Weib. Ach, er ist sonst ein braver Mann, er kann nur nicht viel vertragen; der Schnaps stellt ihm gleich ein Bein.

Zweiter Buerger. Dann geht er mit dreien.

Weib. Nein, er faellt.

Zweiter Buerger. Richtig, erst geht er mit dreien, und dann faellt er auf das dritte, bis das dritte selbst wieder faellt.

Simon. Du bist die Vampirzunge, die mein waermstes Herzblut trinkt.

Weib. Lasst ihn nur, das ist so die Zeit, worin er immer geruehrt wird; es wird sich schon geben.

Erster Buerger. Was gibt's denn?

Weib. Seht ihr: ich sass da so auf dem Stein in der Sonne und waermte mich, seht ihr - denn wir haben kein Holz, seht ihr -

Zweiter Buerger. So nimm deines Mannes Nase.

Weib. Und meine Tochter war da hinuntergegangen um die Ecke - sie ist ein braves Maedchen und ernaehrt ihre Eltern.

Simon. Ha, sie bekennt!

Weib. Du Judas! haettest du nur ein Paar Hosen hinauf zuziehen, wenn die jungen Herren die Hosen nicht bei ihr hinunterliessen? Du Branntweinfass, willst du verdursten, wenn das Bruennlein zu laufen aufhoert, he? - Wir arbeiten mit allen Gliedern, warum denn nicht auch damit; ihre Mutter hat damit geschafft, wie sie zur Welt kam, und es hat ihr weh getan; kann sie fuer ihre Mutter nicht auch damit schaffen, he? und tut's ihr auch weh dabei, he? Du Dummkopf!

Simon. Ha, Lukretia! ein Messer, gebt mir ein Messer, Roemer! Ha, Appius Claudius!

Erster Buerger. Ja, ein Messer, aber nicht fuer die arme Hure! Was tat sie? Nichts! Ihr Hunger hurt und bettelt. Ein Messer fuer die Leute, die das Fleisch unserer Weiber und Toechter kaufen. Weh ueber die, so mit den Toechtern des Volkes huren! Ihr habt Kollern im Leib, und sie haben Magendruecken; ihr habt Loecher in den Jacken, und sie haben warme Roecke; ihr habt Schwielen in den Faeusten, und sie haben Samthaende. Ergo, ihr arbeitet, und sie tun nichts; ergo, ihr habt's erworben, und sie haben's gestohlen; ergo, wenn ihr von eurem gestohlnen Eigentum ein paar Heller wiederhaben wollt, muesst ihr huren und betteln; ergo, sie sind Spitzbuben, und man muss sie totschlagen!

Dritter Buerger. Sie haben kein Blut in den Adern, als was sie uns ausgesaugt haben. Sie haben uns gesagt: schlagt die Aristokraten tot, das sind Woelfe! Wir haben die Aristokraten an die Laternen gehaengt. Sie haben gesagt: das Veto frisst euer Brot; wir haben das Veto totgeschlagen. Sie haben gesagt: die Girondisten hungern euch aus; wir haben die Girondisten guillotiniert. Aber sie haben die Toten ausgezogen, und wir laufen wie zuvor auf nackten Beinen und frieren. Wir wollen ihnen die Haut von den Schenkeln ziehen und uns Hosen daraus machen, wir wollen ihnen das Fett auslassen und unsere Suppen mit schmelzen. Fort! Totgeschlagen, wer kein Loch im Rock hat!

Erster Buerger. Totgeschlagen, wer lesen und schreiben kann!

Zweiter Buerger. Totgeschlagen, wer auswaerts geht!

Alle (schreien). Totgeschlagen! Totgeschlagen!

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