Goldene Vliess, Das (1 of 56)
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Das goldene Vließ
Franz Grillparzer
Der Gastfreund
Trauerspiel in einem Aufzug
Personen:
Aietes, König von Kolchis
Medea, seine Tochter
Gora, Medeens Amme
Peritta, eine ihrer Jungfrauen
Phryxus
Jungfrauen Medeens
Griechen in Phryxus' Gefolge
Kolcher
Kolchis. (Wilde Gegend mit Felsen und Bäumen, im Hintergrunde das Meer. Am Gestade desselben ein Altar, von unbehauenen Steinen zusammengefügt, auf dem die kolossale Bildsäule eines nackten, bärtigen Mannes steht, der in seiner Rechten eine Keule, um die Schultern ein Widderfell trägt. Links an den Szenen des Mittelgrundes der Eingang eines Hauses mit Stufen und rohen Säulen. Tagesanbruch.) Medea, Gora, Peritta, Gefolge von Jungfrauen. (Beim Aufziehen des Vorhanges steht Medea im Vorgrunde mit dem Bogen in der Hand in der Stellung einer, die eben den Pfeil abgeschossen. An den Stufen des Altars liegt ein, von einem Pfeile durchbohrtes Reh.)
Jungfrauen (die entfernt gestanden, zum Altare hineilend). Das Opfer blutet!
Medea (in ihrer vorigen Stellung). Traf's?
Eine der Jungfrauen. --Gerad' ins Herz!
Medea (indem sie den Bogen abgibt). Das deutet Gutes; laßt uns eilen denn! Geh' eine hin und spreche das Gebet.
Gora (zum Altar tretend). Darimba, mächtige Göttin Menschenerhalterin, Menschentöterin Die den Wein du gibst und des Halmes Frucht Gibst des Weidwerks herzerfreuende Spende Und des Todfeinds Blut: Darimba, reine, magdliche Tochter des Himmels, Höre mich!
Chor. Darimba, mächtige Göttin, Darimba! Darimba!
Gora. Sieh ein Reh hab' ich dir getötet Den Pfeil schnellend vom starken Bogen Dein ist's! Laß dir gefallen sein Blut! Segne das Feld und den beutereichen Wald Gib, daß wir recht tun und siegen in der Schlacht Gib, daß wir lieben den Wohlwollenden Und hassen den, der uns haßt. Mach' uns stark und reich, Darimba, Mächtige Göttin!
Chor. Darimba, Darimba!
Gora. Das Opfer am Altar zuckt und endet, So mögen deine Feinde enden, Darimba! Deine Feinde und die unsern! Es ist Medea, Aietes' Tochter, Des Herrschers von Kolchis fürstliches Kind Die empor in deine Wohnungen ruft Höre mich, höre mich Und erfülle was ich bat!
Chor (mit Zimbeln und Handpauken zusammen schlagend). Darimba, Darimba! Mächtige Göttin! Eriho! Jehu!
Medea. Und somit genug! Das Opfer ist gebracht, Vollendet das zögernde Geschäft. Nun Pfeil und Bogen her, die Hunde vor, Daß von des Jagdlärms hallendem Getos Der grüne Wald ertöne nah und fern! Die Sonne steigt. Hinaus! hinaus! Und die am schnellsten rennt und die am leichtsten springt Sei Königin des Tags.-- Du hier Peritta? Sagt' ich dir nicht, Daß du mich meiden sollst und gehn? So geh!
Peritta (knieend). Medea!
Medea. Kniee nicht! Du sollst nicht knien! Hörst du? In deine Seele schäm' ich mich. So feig, so zahm!--Mich schmerzt nicht dein Verlust, Mich schmerzt, daß ich dich jetzt verachten muß Und hab' dich einst geliebt!
Peritta. O wüßtest du!
Medea. Was denn?--Stahlst du dich neulich von der Jagd Und gingst zum Hirten ins Tergener Tal? Tatst du's? Sprich nein! Du Falsche, Undankbare! Versprachst du nicht du wolltest mein sein, mein Und keines Manns? Sag' an, versprachst du's?
Peritta. Als ich's gelobte wußt' ich damals--
Medea. Schweig! Was braucht's zu wissen, als daß du's versprachst. Ich bin Aietes' königliches Kind Und was ich tu' ist recht weil ich's getan. Und doch, du Falsche! hätt' ich dir versprochen Die Hand hier abzuhaun von meinem Arm Ich tät's; fürwahr ich tät's, weil ich's versprach.
Peritta. Es riß mich hin, ich war besinnungslos, Und nicht mit meinem Willen, nein--
Medea. Ei hört! Sie wollte nicht und tat's!--Geh du sprichst Unsinn. Wie konnt' es denn geschehn Wenn du nicht (wolltest). Was ich tu' das will ich Und was ich will--je nu das tu' ich manchmal (nicht). Geh hin in deines Hirten dumpfe Hütte Dort kaure dich in Rauch und schmutz'gen Qualm Und baue Kohl auf einer Spanne Grund. Mein Garten ist die ungemeßne Erde Des Himmels blaue Säulen sind mein Haus Da will ich stehn des Berges freien Lüften Entgegen tragend eine freie Brust Und auf dich niedersehn und dich verachten. Hallo! in Wald! Ihr Mädchen in den Wald! (Indem sie abgeben will kömmt von der andern Seite ein) Kolcher.
Kolcher. Du Königstochter, höre!
Medea. Was? Wer ruft?
Kolcher. Ein Schiff mit Fremden angelangt zur Stund'!
Medea. Dem Vater sag' es an. Was kümmert's mich!
Kolcher. Wo weilt er?
Medea. Drin im Haus!
Kolcher. Ich eile!
Medea. Tu's!
(Der Bote ab ins Haus.)
Medea. Daß diese Fremden uns die Jagdlust stören! Ihr Schiff, es ankert wohl in jener Bucht, Die sonst zum Sammelplatz uns dient der Jagd. Allein was tut's! Bringt lange Speere her Und nahet ein Kühner, zahl' er's mit Blut! Nur Speere her! doch leise, leise, hört! Denn säh's der Vater wehren möcht' er es. Kommt!--Dort das Mal von Steinen aufgehäuft Seht ihr's dort oben? Wer erreicht's zuerst? Stellt euch!--Nichts da! Nicht vorgetreten! Weg! Wer siegt hat auf der Jagd den ersten Schuß: So, stellt euch und wenn ich das Zeichen gebe Dann wie der Pfeil vom Bogen fort! Gebt Acht! Acht!--Jetzt!-- Aietes (ist unterdessen aus dem Hause getreten, mit ihm der) Bote, (der gleich abgeht.)
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