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Das Goldene Vliess (2 of 56)

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Der Gastfreund (Fortsetzung)

Aietes. Medea!

Medea (sich umwendend aber ohne ihren Platz zu verändern). Vater!

Aietes. Du, wohin?

Medea. In Wald!

Aietes. Bleib jetzt!

Medea. Warum?

Aietes. Ich will's. Du sollst.

Medea. So fürchtest du, daß jene Fremden--

Aietes. Weißt du also?--

(Näher tretend, mit gedämpfter Stimme.)

Angekommen Männer Aus fernem Land Bringen Gold, bringen Schätze, Reiche Beute.

Medea. Wem?

Aietes. Uns, wenn wir wollen.

Medea. Uns?

Aietes. 's sind Fremde, sind Feinde, Kommen zu verwüsten unser Land.

Medea. So geh hin und töte sie!

Aietes. Zahlreich sind sie und stark bewehrt Reich an List die fremden Männer, Leicht töten sie (uns.)

Medea. So laß sie ziehn!

Aietes. Nimmermehr. Sie sollen mir--

Medea. Tu was du willst Mich aber laß zur Jagd!

Aietes. Bleib, sag' ich, bleibe

Medea. Was soll ich?

Aietes. Helfen! Raten!

Medea. Ich?

Aietes. Du bist klug, du bist stark. Dich hat die Mutter gelehrt Aus Kräutern, aus Steinen Tränke bereiten, Die den Willen binden Und fesseln die Kraft. Du rufst Geister Und besprichst den Mond Hilf mir, mein gutes Kind!

Medea. Bin ich dein gutes Kind! Sonst achtest du meiner wenig. Wenn ich will, willst du (nicht) Und schiltst mich und schlägst nach mir; Aber wenn du mein bedarfst Lockst du mich mit Schmeichelworten Und nennst mich Medea, dein liebes Kind.

Aietes. Vergiß Medea was sonst geschehn. Bist doch auch nicht immer wie du solltest. Jetzt steh mir bei und hilf mir.

Medea. Wozu?

Aietes. So höre denn mein gutes Mädchen!-- Das Gold der Fremden all und ihre Schätze-- Gelt lächelst?

Medea. Ich?

Aietes. Ei ja, das viele Gold Die bunten Steine und die reichen Kleider Wie sollen die mein Mädchen zieren!

Medea. Ei immerhin!

Aietes. Du schlaue Bübin, sieh, Ich weiß dir lacht das Herz nach all der Zier!

Medea. Kommt nur zur Sache, Vater!

Aietes. Ich-- Heiß dort die Mädchen gehn!

Medea. Warum?

Aietes. Ich will's!

Medea. Sie sollen ja mit mir zur Jagd.

Aietes. Heut keine Jagd'

Medea. Nicht?

Aietes. Nein sag' ich und nein! und nein!

Medea. Erst lobst du mich und--

Aietes. Nun, sei gut, mein Kind! Komm hierher! Weiter! hierher, so! Du bist ein kluges Mädchen, dir kann ich trauen. Ich--

Medea. Nun!

Aietes. Was siehst du mir so starr ins Antlitz?

Medea. Ich höre Vater!

Aietes. O ich kenne dich! Willst du den Vater meistern, Ungeratne? I ch entscheide was gut, was nicht. Du (gehorchst). Aus meinen Augen Verhaßte!

(Medea geht.)

Bleib!--Wenn du wolltest, begreifen wolltest-- Ich weiß du kannst, allein du willst es nicht! --So sei's denn, bleib aus deines Vaters Rat Und diene, weil du dienen willst.

(Man hört in der Ferne kriegerische Musik.)

Aietes. Was ist das? Weh sie kommen uns zuvor! Siehst du Törin? Die du schonen wolltest, sie töten uns! In vollem Zug hierher die fremden Männer! Weh uns! Waffen! Waffen!

(Der Bote kommt wieder.)

Bote. Der Führer, Herr, der fremden Männer!--

Aietes. Was will er? Meine Krone, mein Leben? Noch hab' ich Mut, noch hab' ich Kraft Noch wallt Blut in meinen Adern Zu tauschen Tod um Tod!

Bote. Er bittet um Gehör.

Aietes. Bittet?

Bote. Freundlich sich mit dir zu besprechen Zu stiften friedlichen Vergleich.

Aietes. Bittet? und hat die Macht in Händen, Findet uns unbewehrt, er in Waffen, Und bittet, der Tor!

Bote. In dein Haus will er treten, Sitzen an deinem Tische, Essen von deinem Brot Und dir vertrauen Was ihn hierher geführt.

Aietes. Er komme, er komme. Hält er Friede nur zwei Stunden, Später fürcht' ich ihn nicht mehr. Sag' ihm, daß er nahe, Aber ohne Schild ohne Speer, Nur das Schwert an der Seite, Er und seine Gesellen. Dann aber geh und biet auf die Getreuen Rings herum im ganzen Lande Heiß sie sich stellen gewappnet, bewehrt Mit Schild und Panzer mit Lanz' und Schwert Und sich verbergen im nahen Gehölz Bis ich winke, bis ich rufe.--Geh!

(Bote ab.)

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