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Die Juedin von Toledo (1 of 23)

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Die Juedin von Toledo

Franz Grillparzer

Historisches Trauerspiel in fuenf Aufzuegen

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Personen:

Alfonso VIII., Koenig von Kastilien
Eleonore von England, dessen Gemahlin (Tochter Heinrichs II.)
Der Prinz, beider Sohn
Manrique, Graf von Lara, Almirante von Kastilien
Don Garceran, dessen Sohn
Dona Clara, Ehrendame der Koenigin
Die Kammerfrau der Koenigin
Isaak, der Jude
Esther und Rahel, dessen Toechter
Robert und Ramiro, des Koenigs Knappen
Alonso, Diener
Standesherren, Hofdamen, Bittsteller, Diener und Leute aus dem Volk

Ort der Handlung: Toledo und Umgebung

Zeit: um das Jahr 1195


Erster Aufzug

Im koeniglichen Garten zu Toledo.

Isaak, Rahel und Esther kommen.

Isaak. Bleib zurueck, geh nicht in Garten! Weisst du nicht, es ist verboten? Wenn der Koenig hier lustwandelt, Darf kein Jued'--Gott wird sie richten!-- Darf kein Jued' den Ort betreten.

Rahel (singt). La, la, la, la.

Isaak. Hoerst du nicht denn?

Rahel. Ei, wohl hoer ich.

Isaak. Nun, und weichst nicht?

Rahel. Hoer, und weiche doch nicht.

Isaak. Je, je, je! Was sucht mich Gott? Gab doch meinen Deut den Armen, Hab gebetet und gefastet, Weiss nicht, wie Verbotnes schmecket, Je, und dennoch sucht mich Gott!

Rahel (zu Esther). Ei, was zerrst du mich am Arme? Und ich bleib und gehe doch nicht. Ich will mal den Koenig sehen; Und den Hof und all ihr Wesen, All ihr Gold und ihr Geschmeide. Soll ein Herr sein, weiss und rot, Jung und schoen, ich will ihn sehn.

Isaak. Und wenn dich die Knechte fangen?

Rahel. Ei, ich bitte mich wohl los.

Isaak. Ja, wie deine Mutter, gelt? Die sah auch nach schmucken Christen, War nach Misraims Toepfen luestern. Hielt ich sie nicht streng bewacht, Glaubt' ich--nu, Gott wird verzeihen!-- Deine Torheit stamme dorther, Sei ein Erbteil schnoeder Christen. Da lob ich mein erstes Weib, (zu Esther) Deine Mutter, brav wie du, Wenn auch arm. Was nuetzte mir Auch der Reichtum jener zweiten? Hat sie nicht damit geschaltet, Schmaus und Gastgebot gehalten, Schmuck gekauft und Edelstein? Schau! sie ist wohl ihre Tochter! Hat sie sich nicht rings behangen, Prangt sie nicht in stolzen Kleidern, Als ein Babel anzusehn?

Rahel (singend). Bin ich nicht schoen, Bin ich nicht reich? Und sie aergern sich, Und mich kuemmert's nicht. La la la la.

Isaak. So geht sie auf reichen Schuhen; Nuetzt sie ab, fraegt nichts danach, Jeder Schritt gilt einen Dreier. Hat im Ohr ihr reich Geschmeide, Kommt ein Dieb und nimmt ihr's ab, Faellt's in Busch, wer findet's wieder?

Rahel (ein Ohrgehaenge abnehmend). Sieh, so schraub ich's los und halt es. Wie das blitzt und wie das flimmert! Und doch acht ich's so geringe, Wenn mir's einfaellt, schenk ich's dir, (zu Esther) Oder werf es von mir. Sieh! (Sie macht mit der Hand eine fortschleudernde Bewegung.)

Isaak (nach der Richtung des Wurfes laufend). Weh, o weh! Wo flog es hin? Weh, o weh! Wie find ich's wieder? (Er sucht im Gestraeuche.)

Esther. Ei, was kommt dich an? Das Kleinod--

Rahel. Glaubst du denn, ich sei so toericht Und verschleuderte das Gut? Sieh! ich hab's, halt's in der Hand, Haeng es wieder in mein Ohr, Weiss und klein, zum Schmuck der Wange.

Isaak (suchend). Weh! Verloren!

Rahel. Vater, kommt nur! Seht, das Kleinod ist gefunden, 's war ja Spass nur.

Isaak Dass dich Gott--! So zu spassen! Und nun komm!

Rahel. Vater, jedes, nur nicht dies. Ich muss mal den Koenig sehen, Und er mich, ja, ja, er mich. Wenn er kommt und wenn er fragt: Wer ist dort die schoene Juedin? Sag, wie heisst du?--Rahel, Herr! Isaaks Rahel! sprech ich dann, Und er kneipt mich in die Backen. Heisse dann die schoene Rahel. Mag der Neid darob zerplatzen, Wenn sie's aergert, kuemmert's mich?

Esther. Vater!

Isaak. Wie?

Esther. Dort naht der Haufen.

Isaak. Herr des Lebens! Was geschieht mir? 's ist Rehabeam und sein Volk. Wirst du gehen?

Rahel. Vater, hoert doch!

Isaak. Nun, so bleibe! Esther komm! Lassen wir allein die Toerin. Mag der Unrein-Haend'ge kommen, Sie beruehren, mag sie toeten! Hat sie's selber doch gewollt. Esther komm!

Rahel. Je, Vater, bleibt!

Isaak. Immer zu! Komm, Esther, komm! (Er geht.)

Rahel. Ich will nicht allein sein! Hoert ihr? Bleibt!--Sie gehn--O weh mir, weh! Ich will nicht allein sein! Hoert ihr? Ach, sie kommen.--Schwester! Vater! (Eilt ihnen nach.)

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