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Des Meeres und der Liebe Wellen (3 of 26)

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Erster Aufzug (Fortsetzung)

Hero. Ich weiß das anders, doch du glaubst es nicht. War ihnen ich doch immer eine Last, Und fort und fort ging Sturm in ihrem Hause. Mein Vater wollte was kein andres wollte, Und drängte mich, und zürnte ohne Grund. Die Mutter duldete und schwieg. Mein Bruder--Von den Menschen all, die leben, Bin ich nur einem gram, es ist mein Bruder. Als Älterer, und weil ich nur ein Weib, Ersah er mich zum Spielwerk seiner Launen. Doch hielt ich gut, und grollte still und tief.

Priester. So zürnst du deinen Eltern?

Hero. Zürnen? Oh! Vergaß ich sie, geschah's um sie zu lieben. Auch ist mein Wesen umgekehrt und eben, Seit mich die Göttin nahm in ihren Schutz.

Priester. Wenn sie nun kämen?

Hero. Ach, sie werden's nicht.

Priester. Dich heimzuholen.

Hero. Mich? Von hier? Vergebens!

Priester. Die Mutter mit dem Bräut'gam an der Hand.

Hero (zum Gehen gewendet). Du scherzest, Herr, und ich, ich scherzte nicht.

Priester. Bleib nur! Auch ist es Scherz. Doch deine Eltern Sind hier.

Hero. Nein! Hier?

Priester. Seit gestern abends.

Hero. Oh! Und du verhehltest mir's?

Priester. Sie wollten's selbst, Die Weihe nicht zu stören dieser Nacht, Die dir ein Morgen ist für viele Tage. Doch bist du stark, und mögen sie denn nahn. Sieh dort den Kommenden. Er wandelt, steht, Holt tiefer Atem, nähert sich.

Hero. Mein Vater?

Priester. Er selber, ja.

Hero. Und ist der Mann so alt?

Priester. Die Frau an seiner Seite--

Hero. Mutter! Mutter!

Priester. Erbleichst du? Eilst den Lieben nicht entgegen In froher Hast?

Hero. O laß mich sie betrachten! Hab ich sie doch so lange nicht gesehn!

(Heros Eltern kommen.)

Vater. Mein Kind! Hero, mein Kind!

Hero (auf ihre Mutter zueilend). O meine Mutter!

Vater. Sieh nur, wir kommen her, den weiten Weg-- Mein Atem wird schon kurz!--So fern vom Hause, Als Zeugen deines götternahen Glücks. Zu schauen, wie du in der Ahnen Spur Antrittst das Recht, um das sie uns beneiden, Die andern alle rings umher im Land; Wie um das Amt, mit dem seit manchem Jahr Bekleidet das Vertraun mich unsrer Stadt, Und das--Die böse Brust!--Was wollt' ich sagen? Nun ebendeshalb kamen wir hierher. Ei, guten Morgen, Bruder!

Hero. Meine Mutter!

Vater. Sie auch! Auch sie! Ob kränkelnd schon und schwach, Es duldete sie nicht im leeren Hause. Teilnehmen wollte sie an deinem Glück. Der Wagen faßt wohl zwei, so kam sie mit. Erfreuten Sinns. Und wer, wenn noch so stumpf, Erfreute sich an seinem Kinde nicht, Wenn es einhergeht auf der Hoheit Spuren? Wer horchte da auf kleinlich dunkle Zweifel, Auf, was weiß ich? Nu, wie gesagt, erfreut.

Hero. Allein sie spricht nicht.

Vater. Nicht? Frag sie: warum? Sie spricht wohl sonst, wenn's auch nicht an der Zeit, Im Haus, den langen Tag. Frag sie: warum? Und wieder ist's auch besser, spricht sie nicht. Wer Förderliches nicht vermag zu sagen, Tut klüger schweigt er völlig. Bruder, nicht?

Hero. O guter Ohm, heiß deinen Bruder schweigen, Daß meine Mutter rede.

Priester. Bruder, laß sie!

Vater. So sprich; allein--

Hero. Nicht so! Nach ihrem Herzen. Wie's ihr gefällt.

Mutter

(halblaut). Mein gutes Kind!

Hero. Hörst du? Sie sprach. O süßer, süßer Klang, So lange nicht gehört. O meine Mutter!

Priester (in den Hintergrund tretend, zu einem Diener). Komm hier!

Vater. Nun weint sie gar. Daß doch!--Was schaffst du, Bruder?

(Er geht nach rückwärts, die Hand dem gleichfalls dort stehenden Tempelhüter auf die Schulter legend.)

Ah, du mein Ehrenmann?--Was schafft ihr da?

Priester. Ein Ringeltauber flog in diesen Busch, Wohl gar zu Nest. Das darf nicht sein. He, Sklave, Durchforsche du das Laub und nimm es aus!

Vater. Wie nur? warum?

Priester. So will's des Tempels Übung.

Vater. Doch jene--

Priester. Laß sie nur!

Vater. Sie reden.

Priester. Laß sie!

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