Penthesilea (2 of 35)
Erster Auftritt. (Fortsetzung)Odysseus. Jetzt hebt Ein Kampf an, wie er, seit die Furien walten, Noch nicht gekämpft ward auf der Erde Rücken So viel ich weiß, giebt es in der Natur Kraft blos und ihren Widerstand, nichts Drittes. Was Glut des Feuers löscht, lös't Wasser siedend Zu Dampf nicht auf und umgekehrt. Doch hier Zeigt ein ergrimmter Feind von beiden sich, Bei dessen Eintritt nicht das Feuer weiß, Ob's mit dem Wasser rieseln soll, das Wasser Ob's mit dem Feuer himmelan soll lecken. Der Trojer wirft, gedrängt von Amazonen, Sich hinter eines Griechen Schild, der Grieche Befreit ihn von der Jungfrau, die ihn drängte, Und Griech' und Trojer müssen jetzt sich fast, Dem Raub der Helena zu Trotz, vereinen, Um dem gemeinen Feinde zu begegnen. (Ein Grieche bringt ihm Wasser.) Dank! Meine Zunge lechzt.
Diomedes. Seit jenem Tage Grollt über dieser Ebne unverrückt Die Schlacht, mit immer reger Wuth, wie ein Gewitter, zwischen waldgekrönter Felsen Gipfeln Geklemmt. Als ich mit den Ätoliern gestern Erschien, der unsern Reihen zu verstärken, Schlug sie mit Donnerkrachen eben ein, Als wollte sie den ganzen Griechenstamm Bis auf den Grund, die Wüthende, zerspalten. Der Krone ganze Blüthe liegt, Ariston, Astyanax, von Sturm herabgerüttelt, Menandros, auf dem Schlachtfeld da, den Lorbeer, Mit ihren jungen, schönen Leibern groß, Für diese kühne Tochter Ares, düngend. Mehr der Gefangnen siegreich nahm sie schon, Als sie uns Augen, sie zu missen, Arme, Sie wieder zu befrein, uns übrig ließ.
Antilochus. Und Niemand kann, was sie uns will ergründen?
Diomedes. Kein Mensch, das eben ist's: wohin wir spähend Auch des Gedankens Senkblei fallen lassen. --oft, aus der sonderbaren Wuth zu schließen, Mit welcher sie, im Kampfgewühl, den Sohn Der Thetis sucht, scheint's uns, als ob ein Haß Persönlich wider ihn die Brust ihr füllte. So folgt, so hungerheiß, die Wölfinn nicht, Durch Wälder, die der Schnee bedeckt, der Beute, Die sich ihr Auge grimmig auserkohr, Als sie, durch unsre Schlachtreihn, dem Achill. Doch jüngst, in einem Augenblick, da schon Sein Leben war in ihre Macht gegeben, Gab sie es lächelnd, ein Geschenk, ihm wieder: Er stieg zum Orkus, wenn sie ihn nicht hielt.
Antilochus. Wie? Wenn ihn wer? Die Königinn?
Diomedes. Sie selbst! Denn als sie, um die Abenddämmrung gestern, Im Kampf, Penthesilea und Achill, Einander trafen, stürmt Deiphobus her, Und auf der Jungfrau Seite hingestellt, Der Teukrische, trifft er dem Peleïden Mit einem tück'schen Schlag die Rüstung prasselnd, Daß rings der Ormen Wipfel wiederhallten. Die Königinn, entfärbt, läßt zwei Minuten Die Arme sinken: und die Locken dann Entrüstet um entflammte Wangen schüttelnd, Hebt sie vom Pferdes-Rücken hoch sich auf, Und senkt, wie aus dem Firmament geholt, Das Schwerdt ihm wetterstrahlend in den Hals, Daß er zu Füssen hin, der Unberufne, Dem Sohn, dem göttlichen, der Thetis rollt. Er jetzt, zum Dank, will ihr, der Peleïde, Ein Gleiches thun; doch sie bis auf den Hals Gebückt, den mähnumflossenen, des Schecken, Der, in dem Goldzaum beißend, sich herumwirft, Weicht seinem Mordhieb aus, und schießt die Zügel, Und sieht sich um, und lächelt, und ist fort.
Antilochus. Ganz wunderbar!
Odysseus. Was bringst du uns von Troja?
Antilochus. Mich sendet Agamemnon her, und fragt dich, Ob Klugheit nicht, bei so gewandelten Verhältnissen, den Rückzug dir gebiete. Uns gelt' es Iliums Mauern einzustürzen, Nicht einer freien Fürstinn Heereszug, Nach einem uns gleichgült'gen Ziel, zu stören. Falls du daher Gewißheit dir verschafft, Daß nicht mit Hülfe der Dardanerburg Penthesilea naht, woll' er, daß ihr Sogleich, um welchen Preis gleichviel, euch wieder In die argivische Verschanzung werft. Verfolgt sie euch, so werd' er, der Atride, Dann an des Heeres Spitze selber sehn, Wozu sich diese räthselhafte Sphinx Im Angesicht von Troja wird entscheiden.
Odysseus. Beim Jupiter! Der Meinung bin ich auch. Meint ihr, daß der Laertiade sich In diesem sinnentblößten Kampf gefällt? Schafft den Peliden weg von diesem Platze! Denn wie die Dogg' entkoppelt, mit Geheul In das Geweih des Hirsches fällt: der Jäger, Erfüllt von Sorge, lockt und ruft sie ab; Jedoch verbissen in des Prachtthiers Nacken, Tanzt sie durch Berge neben ihm, und Ströme, Fern in des Waldes Nacht hinein: so er, Der Rasende, seit in der Forst des Krieges Dieß Wild sich von so seltner Art, ihm zeigte. Durchbort mit einem Pfeilschuß, ihn zu fesseln, Die Schenkel ihm: er weicht, so schwört er, eher Von dieser Amazone Ferse nicht, Bis er bei ihren seidnen Haaren sie Von dem gefleckten Tiegerpferd gerissen. Versuch's, o Antiloch, wenn's dir beliebt Und sieh', was deine rednerische Kunst, Wenn seine Lippe schäumt, bei ihm vermag.
Diomedes. Laßt uns vereint, ihr Könige, noch einmal Vernunft keilförmig, mit Gelassenheit, Auf seine rasende Entschließung setzen. Du wirst, erfindungsreicher Larissäer, Den Riß schon, den er beut, zu finden wissen. Weicht er dir nicht, wohlan, so will ich ihn Mit zwei Ätoliern auf den Rücken nehmen, Und einem Klotz gleich, weil der Sinn ihm fehlt, In dem Argiverlager niederwerfen.
Ulysses. Folgt mir!
Antilochus. Nun? Wer auch eilt uns dort heran?
Diomedes. Es ist Adrast. So bleich und so verstöhrt.
Penthesilea
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