Prinz Friedrich von Homburg (2 of 28)
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Erster Auftritt (Fortsetzung)
Die Kurfürstin. Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe.
Prinzessin Natalie. Er braucht des Arztes--!
Die Kurfürstin. Man sollt ihm helfen, dünkt mich, Nicht den Moment verbringen, sein zu spotten!
Hohenzollern (indem er die Fackel wieder weggibt). Er ist gesund, ihr mitleidsvollen Frauen, Bei Gott, ich bins nicht mehr! Der Schwede morgen Wenn wir im Feld ihn treffen, wirds empfinden! Es ist nichts weiter, glaubt mir auf mein Wort, Als eine bloße Unart seines Geistes.
Der Kurfürst. Fürwahr! Ein Märchen glaubt ichs!--Folgt mir Freunde, Und laßt uns näher ihn einmal betrachten.
(Sie steigen von der Rampe herab.)
Ein Hofkavalier (zu den Pagen). Zurück! die Fackeln!
Hohenzollern. Laßt sie, laßt sie, Freunde! Der ganze Flecken könnt in Feuer aufgehn, Daß sein Gemüt davon nicht mehr empfände, Als der Demant, den er am Finger trägt.
(Sie umringen ihn; die Pagen leuchten.)
Der Kurfürst (über ihn gebeugt). Was für ein Laub denn flicht er?--Laub der Weide?
Hohenzollern. Was! Laub der Weid, o Herr!--Der Lorbeer ists, Wie ers gesehn hat, an der Helden Bildern, Die zu Berlin im Rüstsaal aufgehängt.
Der Kurfürst. --Wo fand er den in meinem märkschen Sand?
Hohenzollern. Das mögen die gerechten Götter wissen!
Der Hofkavalier. Vielleicht im Garten hinten, wo der Gärtner Mehr noch der fremden Pflanzen auferzieht.
Der Kurfürst. Seltsam beim Himmel! Doch, was gilts, ich weiß, Was dieses jungen Toren Brust bewegt?
Hohenzollern. O--was! Die Schlacht von morgen, mein Gebieter! Sterngucker sieht er, wett ich, schon im Geist, Aus Sonnen einen Siegeskranz ihm winden.
(Der Prinz besieht den Kranz.'
Der Hofkavalier. Jetzt ist er fertig!
Hohenzollern. Schade, ewig schade, Daß hier kein Spiegel in der Nähe ist! Er würd ihm eitel, wie ein Mädchen nahn, Und sich den Kranz bald so, und wieder so, Wie eine florne Haube aufprobieren.
Der Kurfürst. Bei Gott! Ich muß doch sehn, wie weit ers treibt!
(Der Kurfürst nimmt ihm den Kranz aus der Hand; der Prinz errötet und sieht ihn an. Der Kurfürst schlingt seine Halskette um den Kranz und gibt ihn der Prinzessin; der Prinz steht lebhaft auf. Der Kurfürst weicht mit der Prinzessin, welche den Kranz erhebt, zurück; der Prinz mit ausgestreckten Armen, folgt ihr.)
Der Prinz von Homburg (flüsternd). Natalie! Mein Mädchen! Meine Braut!
Der Kurfürst. Geschwind! Hinweg!
Hohenzollern. Was sagt der Tor?
Der Hofkavalier. Was sprach er?
(Sie besteigen sämtlich die Rampe.)
Der Prinz von Homburg. Friedrich! Mein Fürst! Mein Vater!
Hohenzollern. Höll und Teufel!
Der Kurfürst (rückwärts ausweichend). Öffn' mir die Pforte nur!
Der Prinz von Homburg. O meine Mutter!
Hohenzollern. Der Rasende! Er ist--
Die Kurfürstin. Wen nennt er so?
Der Prinz von Homburg (nach dem Kranz greifend) O! Liebste! Was entweichst du mir? Natalie!
(Er erhascht einen Handschuh von der Prinzessin Hand.)
Hohenzollern. Himmel und Erde! Was ergriff er da?
Der Hofkavalier. Den Kranz?
Natalie. Nein, nein!
Hohenzollern (öffnet die Tür). Hier rasch herein, mein Fürst! Auf daß das ganze Bild ihm wieder schwinde!
Der Kurfürst. Ins Nichts mit dir zurück, Herr Prinz von Homburg, Ins Nichts, ins Nichts! In dem Gefild der Schlacht, Sehn wir, wenns dir gefällig ist, uns wieder! Im Traum erringt man solche Dinge nicht!
(Alle ab; die Tür fliegt rasselnd vor dem Prinzen zu.)
(Pause.)
Prinz Friedrich von Homburg
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